INTEC Online (www.intec-online.info) - Zeitschrift für Energie und Gebäudemanagement

URL dieses Beitrags: http://www.intec-online.info/go/1100069

Zeitschrift für Energie und Gebäude-Management

Home / Wissen / Alles eitel Sonnenschein

 

Richtige Beleuchtung

Alles eitel Sonnenschein

Wer heute noch die Beleuchtung von Gebäuden als Stiefkind behandelt, riskiert Gesundheit und Leistungsbereitschaft seiner Mitmenschen. Eine Kombination von Tageslicht und künstlicher Beleuchtung kann Wunder wirken.

Konferenzraum im Penthouse: Luxus mit Licht und Schatten (Bild: Siteco)

Endlose Reihen von Leuchtstoffröhren. Am Schreibtisch eine Bürolampe. Die Fensterjalousien heruntergelassen. Wenn es ums Licht geht, sieht es häufig noch zappenduster aus. Die Konsequenzen schlagen vor allem auf die Stimmung: Kein Wunder, wenn endlose Meetings ohne Ergebnis enden! Manch Kollege hat auch keine schlechte Laune, wenn er sein Umfeld anmuffelt. Chefs oder ansonsten nette Mitarbeiterinnen leiden einfach unter Lichtmangel. Schon wer weiter als sechs Meter vom Fenster sitzt, riskiert selbst im Sommer ein heftiges Lichtdefizit. Das gilt erst recht für Beschäftigte in tageslichtlosen Konferenz- und Tresorräumen oder Fertigungsbüros, aber auch Arbeitskräfte in so genannten büroähnlichen 24-Stunden-Jobs wie beispielsweise in Druckereien und Schaltwarten. Aber auch in hellen Arbeitsräumen ist eine ausreichende Versorgung mit Tageslicht nicht immer gegeben. Inzwischen wird in sehr vielen Büros bis in die Abenddämmerung hinein gearbeitet.

Licht als Lebensmittel

Optimaler Mix: Tageslicht und künstliche Beleuchtung im Büro (Bild: Fördergemeinschaft Gutes Licht)
Und eine halbe Stunde Sonne in der Mittagspause reichen einfach nicht. Dabei geht es auch anders und vor allem besser: Eine Kombination von künstlicher Beleuchtung und intelligenter Tageslichtlenkung ist heute die Devise. Auf der Light+Building (18. bis 22. April 2004) stellt das "Forum Tageslicht" dieses Thema in den Mittelpunkt und ergänzt so die weltgrößte Lichtmesse um den Aspekt der Tageslichtlenkung.

Physiker beschreiben beschreibt Licht als Gemisch elektromagnetischer Wellen. In einem Frequenzbereich von 380 bis 780 Nanometern liegt der sichtbare Teil des Lichts. Aber auch das Licht jenseits dieses "optischen Fensters" stimuliert uns. So spüren wir langwelliges, energiearmes Infrarot als Wärme auf der Haut. Kurzwelliges, energiereiches UV-Licht - richtig eingesetzt - wirkt sich positiv auf Haut und Knochenbau (gegen Rachitis) aus.

Zuverlässiger Wachmacher

Die Skandinavier am Rande des Polarkreises können in den langen Wintermonaten ein Lied davon singen. In den Herbst- und Wintermonaten wird Tageslicht zur Mangelware. Zahlreiche Menschen leiden deshalb unter saisonalen Depressionen (SAD), auch bekannt als Winterdepressionen. Es handelt sich hier um echte psychische Schieflagen, die durch Licht-Therapien erfolgreich behandelt werden. Die Konsequenz der Mediziner: Saisonale Erkrankungen werden mit Tageslicht therapiert, Stresshormone können verhindert, vegetative Erkrankungen gelindert, das Immunsystem gestärkt und Stoffwechselvorgänge reguliert werden. Eine Lichtdusche kann also Wunder wirken.

Chronobiologen wissen es genau: Der Melatonin-Gehalt im Blut ist es, der Wachheit und Munterkeit, Körpertemperatur und Schlafbedürfnis beim Menschen regelt. Dabei gilt: Je weniger Licht, desto mehr Melatonin wird ausgeschüttet und desto müder werden wir. Gilt das auch umgekehrt? Kann Licht wach über einen längeren Zeitraum halten? Wissenschaftler beobachteten: Die nächtliche Melatonin-Ausschüttung ist mit hohen Beleuchtungsstärken zu unterdrücken. Die mageren 500 Lux am Arbeitsplatz reichen aber nicht. Erst Lichtdosen ab 2000 Lux wirken als Wachmacher, machen auch nicht so fett wie Schokoriegel. Bis der Körper endgültig seinen Schlaf einfordert.

Die neuen Normen

Die europäische Normierung ersetzt mit der EN 12464-1 "Beleuchtung von Arbeitsstätten in Innenräumen" wesentliche Teile der zentralen lichttechnischen Norm DIN 5035 "Beleuchtung mit künstlichem Licht". Während die nationale Norm den gesamten Raum beschrieb, differenziert die europäische Regelung unterschiedliche Bereiche der Sehaufgabe. Sie fokussiert, so die Fördergemeinschaft Gutes Licht (FGL), deutlicher auf bedarfsorientiertes Licht.

Mindestens 500 Lux müssen am Arbeitsplatz verfügbar sein. (Bild: Siteco)

Für einfache Bürotätigkeiten wie Ablage oder Kopieren genügen 300 Lux Beleuchtungsstärke. Fürs Lesen, Schreiben oder die Bildschirmarbeit sind 500 Lux die untere Grenze, um Sehaufgaben gut erfüllen zu können. Arbeitgeber müssen die richtlinienkonforme Ausstattung garantieren. Selbstständige sind aufgerufen, die Richtlinien einzuhalten.

Die Allgemeinbeleuchtung sollte für eine angenehme Helligkeitsverteilung im Raum sorgen. Stabförmige Dreibanden-Leuchtstofflampen in Leuchten mit ausreichender Blendungsbegrenzung sind hier die richtige Wahl. Alternativ zu Leuchtenein- oder -anbauten empfehlen sich abgependelte Leuchten mit direkter bzw. direkt/indirekter Lichtverteilung. In kleineren Büros oder im Home Office können indirekt oder direkt/indirekt strahlende Uplights für wohnliches Ambiente im Arbeitsraum sorgen. Für die Beleuchtung von Büroräumen sind die Lichtfarben Warm- oder Neutralweiß richtig.

Arbeitsfläche flexibel beleuchten

Die Arbeitsfläche am Schreibtisch sollte von einer dreh- und schwenkbaren Leuchte mit Reflektor erhellt werden. Sie lenkt das Licht dorthin, wo es gebraucht wird. Die Leuchte sollte so flexibel sein, dass sie Links- und Rechtshändern schattenfreies Arbeiten erlaubt.

Störende Blendung und Reflexionen auf dem Bildschirm müssen vermieden werden. Da der Blick bei der Computerarbeit ständig zwischen Bildschirm, Tastatur und Papiervorlagen wechselt, sollten zur Arbeitsplatzbeleuchtung immer auch andere Leuchten im Raum zugeschaltet werden. So werden die Augen nicht zu sehr strapaziert.

Hajo Guhl

Kontakt- und Firmen-Infos im INTEC-Branchenführer
Weitere Artikel zum Thema