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Contracting

Kessel ohne Kapital

Ohne Dampf aus seinen Kesseln hätte Textilveredler Fritz Blanke ein echtes Problem. Ausfälle kann er sich nicht leisten. Leistungsfähigen Ersatz für seine altersschwache Anlage erhielt er ganz ohne eigene Investitionen. Contracting macht's möglich.

Die zwei Kessel der neuen Anlage liefern jeweils bis zu acht Tonnen Dampf pro Stunde (Bild: Fritz Blanke)

Mit ihren 250 Beschäftigten konzentriert sich die Fritz Blanke Textilveredlung heute vor allem auf technische Textilien, zum Beispiel für die Automobilindustrie. Die Kesselanlage auf dem Firmengelände an der Industriestraße in Bad Salzuflen zählt zu den sensibelsten Bereichen des Unternehmens. Der hier aus Erdgas erzeugte Dampf ist der Energieträger für die gesamten Färbeprozesse – der durch einen Ausfall verursachte Schaden wäre immens.

Als Ende der 90er Jahre die altersbedingten Störungen an der Anlage zunahmen, war für den Geschäftsführer Dipl.-Ing. Andreas Blanke klar: Ersatz musste her. Eine beträchtliche Investition für das Unternehmen – noch dazu in einer Zeit, in der die gesamte Textilbranche unter erheblichem Kostendruck steht.

Firmenprofil Fritz Blanke
Das Unternehmen wurde 1948 von dem Kaufmann Fritz Blanke gegründet. Anfangs wurden unter primitiven Bedingungen Militärmäntel umgefärbt, Sisalgarne für Teppiche und Kunstseidentrikots für Strümpfe veredelt. Aus diesen Anfängen hat sich ein Unternehmen mit 250 Mitarbeitern entwickelt, das auf 30.000 m² Produktionsfläche jährlich 1.600 t und 5 Mio. m produziert. Die Produktion gliedert sich in die Bereiche Textilveredlung, Textilkaschierung und Textildruck.

Mehr Informationen finden Sie auf der Web-Site www.blanke-textil.de

Den Ausweg aus diesem Dilemma wies die Firma BFE Institut für Energie und Umwelt, die Fritz Blanke seit über fünf Jahren in allen energietechnischen und -wirtschaftlichen Fragen berät. Durch "Contracting" sollte Blanke sein Kapital für produktive Investitionen frei halten. Das Prinzip ist einfach: "Contracting" beruht auf einer Partnerschaft zwischen einem Anlageneigner – dem Auftraggeber – und einem Dienstleister, dem so genannten Contractor. "In unserer Branche", so Andreas Blanke, "war ein solches Vorgehen bislang nicht üblich."

Den Contractor fand die Firma Blanke mit Hilfe von BFE in dem Mannheimer Energieversorger MVV Energie. Die nordrhein-westfälische MVV-Tochter D.I.E. (Dezentrale Industrielle Energieversorgung, Solingen) mietete von Blanke das Kesselhaus und übernahm auf eigenes Risiko den Austausch der Kesselanlage und deren Betriebsführung für die nächsten 15 Jahre. Das Textilunternehmen zahlt monatlich eine feste Summe für den erzeugten Dampf, in die natürlich die Investitionskosten eingerechnet sind, die die MVV mit rund 850.000 Euro angibt.

Blanke liefert auf eigene Rechnung das Gas für die Dampferzeugung an die MVV und übernimmt mit seinem Personal routinemäßige Kontroll- und Wartungsarbeiten sowie die Behebung kleinerer Störungen. Die Kosten dafür berechnet Blanke dem Contractor weiter. Bei größeren Problemen käme Personal aus Reken (Kreis Borken) zum Einsatz, wo die D.I.E. rund um die Uhr die komplette Energieversorgung eines großen Lebensmittelherstellers gewährleistet. Alle Daten der Kesselanlage in Bad Salzuflen werden permanent an die D.I.E. übermittelt.

Planung und Bestandsaufnahme

Als der minutiös geplante Austausch der Dampfkesselanlage begann, waren mehrere Planungen und Verhandlungen vorausgegangen. Am Anfang stand eine Bestandsaufnahme durch BFE: Anlagetechnik, Abnahmestruktur, Energiebedarf und Leistungsspitzen wurden unter die Lupe genommen und auf dieser Basis die tatsächlichen Anforderungen des Textilveredlers an eine neue Kesselanlage ermittelt. Aber auch mögliche Ausbaupläne Blankes und die dafür notwendigen Reserven galt es einzukalkulieren. Danach holte die BFE Angebote mehrerer Contracting-Unternehmen ein, prüfte diese und führte intensive Verhandlungen. In dem Entscheidungsprozess lernte die Geschäftsführung der Firma Blanke den Überblick ihrer Energieberater über die Marktlage erneut schätzen.

Bei der Textilveredelung kommen hoch automatisierte Fertigungsmaschinen wie dieser Spannrahmen zum Einsatz. (Bild: Fritz Blanke)

Im Rennen mit der MVV waren zwei "Riesen" der Energiebranche. Bei der Entscheidung für den künftigen Contractor ging es nicht nur um die Frage: Wer ist der kostengünstigste Anbieter? Auch das Know-How eines künftigen Partners spielte eine zentrale Rolle. Die MVV kann unter den deutschen Contracting-Anbietern mit auf die längste Erfahrung verweisen, betont der zuständige Abteilungsleiter Matthias Genske, der den Blanke-Leuten vergleichbare von MVV betriebene Dampfkesselanlagen in anderen hoch empfindlichen Industrieunternehmen zeigte. Nach mehreren Monaten teils "harter Verhandlungen" – so BFE-Geschäftsführer Michael Rathmann – wurde der Contracting-Vertrag zwischen der Fritz Blanke Textilveredlung und der MVV Energie unterzeichnet.

Leistung mit Reserve

Nicht nur bei der Suche nach dem Contractor, auch bei der Dimensionierung der von Blanke benötigten neuen Anlage leisteten die Berater von BFE Hilfe. Zwei mal acht Tonnen Dampf pro Stunde können die beiden durch die Firma Omnical (Dietzhölztal) hergestellten neuen Kessel liefern. Für die Grundlast genügen dem Textilveredler Blanke zehn Tonnen. Der zweite Kessel läuft immer mit, fängt Leistungsspitzen ab und bietet noch Reserven für eventuelle Veränderungen der Fertigung in der Zukunft. Sollte einer der beiden Kessel wider Erwarten einmal ausfallen, kann der Produktionsprozess bei Blanke dennoch fortgesetzt werden. Mittelfristig werde durch die neue Anlage auch der Brennstoffbedarf zurückgehen, sagt MVV-Abteilungsleiter Genske voraus.

Der Austausch der Kesselanlage war für die 20köpfige Mannschaft der D.I.E. und der von ihr beauftragten Unternehmen eine echte Herausforderung unter engen terminlichen wie räumlichen Rahmenbedingungen. Die Firma Blanke hatte eigens zwei Wochen Betriebsferien angesetzt – nach dieser Zeit sollte die Produktion auf jeden Fall mit dem ersten der neuen Dampfkessel wieder beginnen. Herunterfahren der alten Anlage, Auskühlen, dann die Demontage (für die eigens eine Mauer in dem 1962 errichteten Kesselhaus eingerissen werden musste), Anlieferung der neuen Kesselanlage sowie deren Montage und Inbetriebnahme waren zu bewältigen. Der von der D.I.E erstellte Terminplan ging auf: Nach einer Woche ging der erste Kessel ans Netz, nach weiteren 14 Tagen der zweite.

"Die pünktliche und zuverlässige Erledigung des Austausches war eine logistische Glanzleistung", lobt Andreas Blanke seinen Contractor. "Das hätten wir so nicht bringen können". Die vorausgegangene Begleitung des Contracting-Projektes durch BFE bestätigt den Geschäftsführer darin, dass er auf eine professionelle Energieberatung nicht verzichten kann. Wenn die Fritz Blanke Textilveredlung demnächst ihre betriebseigene Kläranlage outsourct, setzt sie wieder auf die Unterstützung von BFE Institut für Energie und Umwelt.

Thomas Krüger

Kontakt- und Firmen-Infos im INTEC-Branchenführer